Die Prophezeihungen von Bangalore

Mann sitzt im Schneidersitz zwischen gemüsehaufen und macht das Ohm.

Die Legende

Auszüge aus dem Buch „Wege des Schicksals“:

Diese Legende erzählte uns Gunjur Sachidananda Murthy, der Nadi-Reader aus Bangalore, als ich auf unserer zweiten Indienreise im Juli 1995 seine Palmblattbibliothek besuchten. Die Palmblattlesung von Madras war äußerst beeindruckend gewesen. Wir wollten jedoch in Erfahrung bringen, ob unser Schicksal auch in weiteren indischen Palmblattbibliotheken aufgezeichnet war oder ob für jeden Ratsuchenden nur ein bestimmtes Palmblatt in einer ganz bestimmten Bibliothek existierte.

Einstmals lebte an der Stelle, wo sich heute die City von Bangalore erhebt, ein heiliger Mann schon jahrzehntelang in strenger Askese und tiefer Meditation. Da erschien ihm eines Tages Narada, Sohn des großen Rishis Brighu und Seher der Götter.

»Du hast durch deine Übungen große Verdienste erworben«, teilte Narada dem Asketen mit. »Die Götter gewähren dir dafür einen Wunsch.«

»Dann wüßte ich gern,« erwiderte dieser, »wieviele Leben ich noch auf diese Weise zubringen muß, bis ich nicht mehr wiedergeboren werde und erlöst bin.«

»Sieh die Blätter des Tamarindenbaumes, unter dem du sitzt« antwortete Narada.

»Erst wenn du so viele Leben in Askese und Meditation zugebracht hast, wie dieser Baum Blätter hat, dann erst wirst du Erlösung finden.«

Da sprang der Asket auf, tanzte vor Freude und rief begeistert: »Welch ein Glück, nur noch so wenige Leben!«

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