Wenn man an Bali denkt …

.. dann fallen einem normalerweise keine Pyramiden ein. Aber es gibt Sie!

Die Pyramiden sind etwa 1500 Jahre alt. Ein Teil dieser seltsamen Bauwerke befinden sich innerhalb einer Tempelanlage, dem Pura Dalem Mecantel, die erst einige Jahrhunderte später drum herum erbaut wurde. Die Dorfbewohner selbst wissen sehr wenig über die Geschichte der Pyramiden. Für sie sind die Pyramiden lediglich das Symbol für den Weltenberg Meru. Über diese Pyramiden könnten die Einwohner Kontakt mit ihren Gottheiten aufnehmen.

Ursprünglich hatten sich 5 verschiedene Stämme mit unterschiedlichen Gebieten wegen fruchtbarem Ackerland bekriegt. Doch dann passierte eine Naturkatastrophe – ein mächtiger Vulkanausbruch – und die Priester deuteten dies als drohenden Zornesausbruch der Götter. Daraufhin kam es zu einem friedlichen Zusammenschluß der 5 Stämme, die nun gemeinsam Reis anbauten. Damals entstand der Ort Selulung, was „Einheit“ bedeutet. Zum Zeichen und um weiterhin die Götter milde zu stimmen, wurden mehrere solcher Pyramiden – dem Berg Meru nachempfunden – gebaut.

Näheres zur Geschichte berichtete mir der Priester des Tempel, Mangku Widiyana.

Meru ist der Kurzname des unvorstellbar gewaltigen Berges Sumeru, Wohnsitz der Göttern und Schutz-Gottheiten. In der hinduistischen Mythologie stellt er die Achse des Universums dar. Um Meru sollten nach altem Glauben die Sonne, der Mond, die Sterne und die Planeten kreisen, die den Lauf von Tag und Nacht beeinflussen, das Kommen und Gehen der Jahreszeiten und somit letztlich auch das Wohlergehen von allen Lebewesen.

Für die Bali-Aga, die Ureinwohner Bali’s, war jedoch dieser Berg Meru nicht irgendwo im Universum. Für sie stellte der Vulkan Gunung Agung das Zentrum Ihrer Welt dar.
Einer Legende zufolge ist dieser Vulkan gar ein Fragment des Meru und war der Erzählung zufolge von den Göttern selbst nach Bali gebracht worden.
Mit den Stufenpyramiden wurden nun im Dorf Selulung diese Götter eingeladen, zu ihnen herunterzukommen wie sie es schon vor vielen Jahrhunderten getan haben.
2008 wurden alle Pyramiden rekonstruiert und werden bei regelmäßigen Prozessionen geschmückt.

Die Stufenpyramide wird in Bali als Shandy – übersetzt Bewegung – genannt.
Dieses Shandy steht auch für den unteren Teil der Pyramide. Der mittlere steht für Padmasana (bei uns eher durch den Yoga-Lotussitz bekannt).

Doch betrachtet man die Haltung eines Menschen im Lotussitz, so erinnert auch dies an eine Pyramide. Und auch in dieser Form der Meditation nehmen wir Kontakt zu unserem inneren Göttlichen auf. –

Der oberste Teil der Pyramide wird Mehu genannt und ist gleich zu setzten mit Meru, dem Sitz der Götter. Bei Festen laden die Dorfbewohner über diesen oberen Teil der Pyramide die Vorfahren und Götter ein, zu ihnen herunterzusteigen.

Bali ist eben die Insel, wo die Götter wohnen.